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Albrecht der Bär (1100 bis 1170) folgte seinem Vater, dem Askanier Graf Otto von Ballenstedt (“Otto der Reiche”,
1075-1123) nach dessen Tode als Markgraf und erbte einen Teil des Besitzes der Billunger in Sachsen. Im Kampf gegen die
Wenden eroberte er Teile der Prignitz und des Havellandes, erhielt per Testament Brandenburg und nannte sich schließlich
Markgraf von Brandenburg. Albrecht holte Kolonisten vom Niederrhein in sein Land, christianisierte die slawischen Gebiete,
errichtete die von den Slawen Ende des 10. Jahrhunderts zerstörten Bistümer Brandenburg und Havelberg neu und veranlasste die Gründung neuer Städte.
Während seiner gesamten Herrschaftszeit versuchte Albrecht ohne bleibenden Erfolg, das Herzogtum Sachsen zu gewinnen: 1127 wurde Heinrich der Stolze mit dem
Herzogtum belehnt, 1138 erhielt es Albrecht, musste es der es aber 1142 wieder abtreten. Mit seinem Nachfolger in Sachsen, Heinrich dem Löwen, lag Albrecht ständig
in Konflikt. Die “Berneburch”, Witwensitz der Mutter von Albrecht, wurde von Welfen und Sachsen 1138 erobert und abgebrannt. Den Beinamen „der Bär" verliehen
ihm bereits seine Zeitgenossen als Kontrapunkt zu Heinrich „dem Löwen".
Anna Amalia (1739-1807), spätere Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach, wurde als
braunschweigische Prinzessin und fünftes von insgesamt 13 Kindern von Carl I. und Phillippe Charlotte von Preußen (einer Schwester Friedrichs des Großen) im Wolfenbüttler Schloss geboren. Mit 16 aus
strategischen Gründen mit Ernst-August II. von Sachsen-Weimar Eisenach verheiratet, wird sie im Alter von 17 Jahren Mutter eines Sohnes (Carl-August) und mit 18 Witwe. Bis zu ihrer Volljährigkeit
übernimmt Carl I. die vormundschaftliche Regierung, bevor sie 1759, mitten im Siebenjährigen Krieg, die Regentschaft über das verschuldete Herzogtum übernimmt. 1775 übergibt sie die
Regierungsgeschäfte an ihren älteren Sohn und widmet sich fortan den Künsten, darunter Theater und Musik. Im gleichen Jahr kommt Johann Wolfgang von Goethe als Staatsminister nach Weimar. Um
diese Zeit entsteht der Weimarer Musenhof und die Bibliothek (die heutige Anna-Amalia Bibliothek) zieht in Grüne Schloss. Goethe hilft ihr beim Ausbau und der Verwaltung der Bestände und es scheinen
sich aus der Liebe zur Literatur auch Gefühle füreinander zu entwickeln. Amalia komponiert die Musik zu Goethes Singspiel “Erwin und Elmire”.
Offiziell durfte diese Beziehung nicht werden, denn das Herzogtum wäre in Gefahr geraten. Derzeit erhalten Spekulationen Nahrung, dass Charlotte von Stein nur eine
Alibi-Rolle spielte und dass die 1600 an sie gerichteten Briefe tatsächlich Anna-Amalia galten. Goethe floh nach Italien, um dem Skandal vorzubeugen und Anna Amalia lebte fortan als "Entsagende" (Ettore Ghibellino "J.W. Goethe und Anna-Amalia - Eine verbotene Liebe" Denkena Verlag Weimar, ISBN 3-936177-04-X)
Anton Ulrich, Herzog von Braunschweig-Lüneburg, zweiter Sohn von Herzog August dem Jüngeren
und der Prinzessin Dorothea von Anhalt-Zerbst (*4.10.1633 in Hitzacker, † 27.3.1714 in Salzdahlum).
Seine erste Schulbildung erhielt Anton Ulrich durch Justus Georg Schottelius und Sigmund von
Birken. Unter deren Anleitung begann er, Kirchenlieder zu dichten und Opern sowie galante Barockromane zu schreiben. Anschließend studierte er an der Universität Helmstedt. Die darauf folgende
Cavalierstour führte durch Süddeutschland, Italien und auf der Rückreise durch die Niederlande. Seit dem Tod seines Vaters (1666) wohnte und lebte Anton Ulrich in Wolfenbüttel. Im Folgejahr ernannte ihn sein
älterer Bruder Rudolf August zum Statthalter. 1685 avancierte er zum gleichberechtigten Mitregenten und wurde nach dem Tod seines Bruders 1705 Alleinherrscher im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel.
Anton-Ulrich war mit der Prinzessin Elisabeth Juliane von Holstein-Norburg vermählt, welche ihm 13
Kinder gebar. Er lebte im Alter in dem von ihm 1694/95 erbauten Lustschloss Salzdahlum, wo er 1714 mit 81 Jahren verstarb.
Im Alter von 76 Jahren trat Anton Ulrich am 11.4.1710 in der Schlosskirche zu Bamberg vor dem Kurfürsten von Mainz
öffentlich zur römisch-katholischen Kirche über, und zwar aus dynastisch-verwandtschaftlichen Gründen: seine Enkelin Elisabeth
Christine, Mutter der Maria Theresia, hatte 1708 den Bruder des Kaisers Joseph I., Karl von Spanien, geheiratet, der 1711 als
Karl VI. deutscher Kaiser wurde. Seinen Untertanen sicherte Anton Ulrich Religionsfreiheit zu. Zur Rechtfertigung seines Glaubenswechsels veröffentlichte er die Schrift "Fünfzig Beweggründe".
Ein Hauptverdienst Anton Ulrichs besteht in der Erweiterung der von seinem Vorgänger gegründeten Herzog August
Bibliothek in Wolfenbüttel. Als Bibliothekar im Nebenamt stellte er Gottfried Wilhelm Leibniz ein, mit dem er befreundet war. Er
war auch Förderer von Anton Wilhelm Amo, dem ersten Doktor der Philosophie afrikanischer Herkunft in Deutschland. 1754 gründete er das „Kunst- und Naturalienkabinett
“, das zunächst in der Burg Dankwarderode öffnete. Von dort zog die Sammlung 1765 in das (heute nicht mehr existente) Paulinerkloster am Bohlweg in Braunschweigs Innenstadt, wo sie um Stücke
aus dem (ebenfalls nicht mehr existenten) „Grauen Hof“, der Kunstkammer Bevern und dem Schloss Salzdahlum erweitert
wurde. Die Exponate – damals in erster Linie reine Repräsentationsstücke – umfassten Bronzestatuen, Kunstkammerobjekte,
Möbel, Elfenbeinschnitzereien, die größte Sammlung italienischer Majoliken nördlich der Alpen, über 200 Emaillearbeiten und Ostasiatica.
Dieser Vorläufer des heutigen Herzog-Anton Ulrich Museums (HAUM) war das erste für die Öffentlichkeit zugängliche Museum des europäischen Kontinents und
wurde nur ein Jahr nach dem British Museum in London gegründet. Das HAUM ist somit das älteste Museum Deutschlands und das zweitälteste Museum der Welt.
Im 19. Jahrhundert war es zahlreichen, zum Teil dramatischen, Veränderungen ausgesetzt. So hatte sich bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts die schlechte
Bausubstanz bemerkbar gemacht. Schnelle Abhilfe war von Nöten, verschlimmert durch die Tatsache, dass das Land Braunschweig 1806 von napoleonischen Truppen
besetzt wurde, die große Teile der kostbarsten Kunstgegenstände in den Pariser Louvre entführten. Nach dieser Besetzung war Braunschweig bis auf Weiteres
Bestandteil des Königreiches Westfalen. Im Jahre 1811 ließ der König von Westfalen und Bruder Napoleons Jérôme das Schloss Salzdahlum abreißen.
Im Zuge der Befreiungskriege (1813 – 1815) erhielt Braunschweig seine alte Eigenständigkeit und damit die geraubten Kunstschätze zurück. Da das Land nun verarmt
war und nicht mehr genügend Platz hatte, um die „neuen“ alten Kunstschätze unterzubringen, musste eine Möglichkeit gefunden werden, die Kunstgütersicher
aufzubewahren und ein angemessenes und repräsentatives Gebäude zu bekommen. Dieses wurde von Architekt Oskar Sommer in Zusammenarbeit mit dem damaligen
Museumsdirektor Herman Riegel entworfene und 1887 eröffnet. Die Bestände wuchsen wegen Geldmangels, nur noch gering. 1868 konnte die Sammlung Reinike, 1910
die Sammlung Vasel und schließlich 1944 die Vieweg-Tepelmann-Sammlung hinzugefügt werden.
Heute muss das im Krieg nur wenig beschädigte Gebäude des Museums dringend grundsaniert werden, da das Dach an einigen Stellen undicht geworden ist.
Außerdem sollen künftig mehr Kunstwerke ausgestellt werden, weshalb hinter dem jetzigen Gebäude im Museumspark ein Erweiterungsbau geplant ist. Während der
dann folgenden Renovierung des Altbaus könnten die wichtigsten Schätze des Museums dort gezeigt werden. Der Erweiterungsbau wird frühestens 2007 begonnen.
Streifzüge
August der Jüngere , Herzog von Braunschweig-Lüneburg-Wolfenbüttel
(1579-1666): Gelehrter und friedliebender Bücherfürst, ebenso wie skrupelloser Bürokrat und Gerichtsherr. Allen
Wolfenbüttlern durch sein Standbild auf dem Stadtmarkt bekannt, das ihn wohl als friedlichen, vom Pferd abgesessenen Jägersmann zeigt.
August wurde 1579 in Dannenberg geboren, wo sein Vater, Herzog Heinrich, eine Nebenresidenz der Celler Linie unterhielt. Bereits mit fünfzehn Jahren besuchte er die Universität in
Rostock. Aus dieser Zeit stammt die früheste Darstellung des späteren Herzogs. Sie zeigt einen tänzelnden jungen Mann inmitten weiterer Kavaliere. August war drei Mal verheiratet (Clara-Maria von Pommern - kinderlos, Dorothea von Anhalt-Zerbst - vier Kinder, Sophie Elisabeth von Mecklenburg-Güstrow - zwei Kinder, darunter Ferdinand Albrecht, späterer Herzog von Bevern)
und hat als Junggeselle mit einer Bürgerlichen eine Tochter gezeugt. Nach mehreren Reisen durch Italien, Frankreich und die Niederlande erhielt er als jüngster
Sohn der abgedrängen älteren Lüneburger Nebenlinie außer einer Apanage von 3000 Talern das Städtchen und Amt Hitzacker an der Elbe als mediale Herrschaft zugesprochen - letzlich nicht mehr
als ein großes Rittergut. Dort verbrachte er dreißig Jahre. August war ursprünglich nicht als Nachfolger Friedrich Ulrichs (1591-1634) in Wolfenbüttel vorgesehen. Doch bedingt durch die Wirren des Dreißigjährigen Krieges
und das Aussterben der Wolfenbütteler Linie der Welfen spach man dem bereits alternden Herrscher das Fürstentum
Braunschweig-Wolfenbüttel zu, das zuvor durch große Land- und Bevölkerungsverluste zu einem ruinierten Kleinstaat herabgesunken war.
Das Jahr 1635 war für August somit ein höchst bedeutungsvolles: es folgte
der Umzug von Hitzacker, wo er dreißig Jahre mit seinen Büchern gelebt hatte, in die große Stadt Braunschweig - seinen Einzug in die von kaiserlichen Truppen
besetzte eigentliche Residenzstadt, Wolfenbüttel, konnte er erst acht Jahre später einziehen, als die “Pappenheim-Strategie” gescheitert war: nach Auffüllen und
Erhöhen des Schwedendammes 1641 wurde zum zweiten Mal die Oker aufgestaut und die Stadt geflutet.
Im gleichen Jahr, 1635, führte er seine dritte und letzte Gemahlin heim, Sophie-Elisabeth von Mecklenburg-Güstrow (1613-1679). Für die Kinder aus zweiter Ehe, Rudolf August, Sibylla Ursula, Clara Augusta und Anton Ulrich, war sie eine überaus liebevolle Stiefmutter, die es verstand, ein warmes,
herzliches Familienleben zu schaffen. Ebenso wichtig war, dass sie die musisch-literarischen Anlagen ihrer Kinder (ihre eigenen Kinder Ferdinand-Albrecht und Maria
Elisabeth wurden 1636 und 1638 geboren) nachhaltig förderte. So schrieb sie zu manchen der geistlichen Dichtungen Anton Ulrichs die Melodien, so zum Beispiel zu
seinem “Christfürstlichen Davids-Harpfen Spiel” von 1667. Das Aufblühen eines reichen barocken Musik- und Theaterlebens am Wolfenbüttler Hof bezog alle Kinder
mit ein und war weitgehend ihr Verdienst. Sophie-Elisabeth überlebte Ihren Gemahl nach 31-jähriger Ehe um 13 Jahre, ehe sie im Alter von 66 Jahren nahe ihrer mecklenburgischen Heimat in Lüchow starb.
August war ein eitler Fürst und ließ sich oft und gerne porträtieren. Diesem Charakterzug ist es zu verdanken, dass in der nach
ihm benannten Herzog-August-Bibliothek und im Schloss-Museum zahlreiche Gemälde, Zeichnungen und Kupferstiche von ihm
und seiner großen Familie erhalten geblieben sind. Eines der wichtigsten Dokumente ist auf den 14. September 1643 datiert und hält den Einzug Herzog Augusts in die Festung Wolfenbüttel fest.
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August war ein Büchernarr. Sein erstes Gesangbuch trägt eine Widmung aus dem Jahre 1586,
sein erstes Buch mit Reden und Edikten veröffentlichte der Fürst im Jahre 1598 als Ehrenrektor der Universität Tübingen. Er widmete sich mit großer Energie dem Auf- und Ausbau seiner
Bibliothek, der heutigen Herzog-August-Bibliothek. 1611 umfasste seine Büchersammlung 4000 Bände, 25 Jahre später waren es bereits 14000. Jedoch trieb ihn nicht nur seine
wissenschaftliche Bibliothek um, er trat auch als Verfasser eigener Schriften in Erscheinung: So verfasste ere 1616 ein vielbeactetes Werki über die Theorie des Schachspiels und er
veröffentlichte 1624 eine Arbeit über Geheimschriften. Religiöse Schriften und eine umfangreiche Korrespondenz zeugen von seiner Intelligenz und einem hohen Bildungsstand.
1625 erschien sein erster Katalog mit einem Umfang von 7200 Seiten - etwa 4800 Seiten hat August selbst geschrieben. Das in Schweinsleder gebundene Exemplar und das Bücherrad, das
er sich bauen ließ, zählen zu den Kostbarkeiten der heutigen Herzog-August-Bibliothek. Wenn man den für Wolfenbüttel wichtigsten Herzog als „frommen Mann" bezeichnet, so bezieht man
sich zumeist darauf, dass er Bibeltexte in mehreren Sprachen las und sie ins Deutsche übersetzte. In seiner dritten Ehefrau, Sophie Elisabeth, hatte er eine Bewunderin, die Singspiele
zu seinen Ehren komponierte und Lobgedichte verfasste. Sie soll auch seine Leidenschaft, Bücher zu sammeln, unterstützt haben. Die Bibliothekssäle befanden sich damals „für Gott und die Nachwelt" über dem Marstall.
Das Bild des friedliebenden, intellektuellen Gelehrten wird durch seine bürokratische
Pedanteriedie getrübt, insebesondere aber durch die unerbittliche Strenge, mit der er sittliche Verfehlungen ahndete. Heute kaum nachvollziehbar sind die Hexenverfolgungen unter seiner
Regie. Mit Übernahme seiner Regentschaft wurde eine „Wasserprobe“ für mutmaßliche Hexen
angeordnet: wenn die Beschuldigten nicht absanken, galten sie als der Hexerei überführt. Kaum bekannt ist, dass August etwa von 1610 bis 1615 in Hitzacker an die
siebzig Frauen als Hexen grausam foltern und verbrennen ließ; sein Herrschaftsgebiet zählte damals nicht mehr als 2000 Einwohner (davon 700 in Hitzacker). Schließlich
drohte ihm sein älterer Bruder deshalb eine Strafaktion an. Aber auch als Landesherr von Braunschweig-Wolfenbüttel setzte August diese Verfolgungen fort. Nach
eigenen Aussagen schickte er in den von ihm regierten Territorien zweihundert Frauen auf den Scheiterhaufen. Um einem Verständnis überhaupt näherzukomen ist zu
bedenken, dass magische Vorstellungen im 16. und 17. Jahrhundert nicht im Widerspruch zu religiös-christlichen und wissenschaftlichen Denkweisen standen. In einer
Zeit, in der wissenschaftliche Erklärungen für Missernten, Klimakatastrophen und Krankheiten nur langsam reiften, war es kaum möglich, der Übermacht der Natur
wirksam zu begegnen. Hier suchten die Menschen Halt in rituellen Handlungen und Lebensregeln, die ihnen das Gefühl vermittelten, die Natur beherrschbar zu machen
und so beruhten viele Hexenprozesse zunächst auf dem Vorwurf des "Schadenszaubers". Nicht zuletzt das medizinische Wissen von Hebammen und "Kräuterweibern",
die ihre Tätigkeiten hinter verschlossenen Türen ausübten, sowie die Vorstellung eines sexuell vollzogenen Teufelspakts, rückten vor allem Frauen in den verdacht der Hexerei.
August der Jüngere galt schließlich als Finanzgenie. Er legte großes mathematisches Geschick im Umgang mit den stets klammen Finanzen an den Tag. Zur
Aufbesserung seiner Haushaltsmittel beteiligte er sich 1618/19 an den illegalen Manipulationen der Münzverschlechterung, die zu einer Inflation führten. Als
augenscheinlich geläuterter Regent bemühte er sich dann, geordnete Münz- und Geldverhältnisse zu schaffen. Davon zeugen seine Münzedikte in den Jahren 1647 bis 1660.
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In den Geschichtsbüchern zählt August der Jüngere zu den fähigsten Regenten des welfischen Fürstenhauses. Er regierte das
kleine Herzogtum nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges äußerst umsichtig und betrieb zielstrebig den
Wiederaufbau der Stadt. Die Residenz-Befestigung wurde ausgebaut, das Stadtbild änderte sich durch die Planung neuer
Siedlungen, wobei an Stelle der Hofgärten beim Mühlentor die nach ihm benannte Auguststadt entstand. Nach Stephan Pinkert,
Wolfenbüttler Schaufenster, 04.03.2005 und Paul Raabe, Braunschweiger Zeitung, 18.01.2006, H. H. Grote, 2005.
Bode, Wilhelm von wurde am 10. Dezember 1845 im braunschweigischen Calvörde geboren. Sein Großvater Wilhelm Bode
war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein geschätzter Kommunalpolitiker, nach dem auch die Wilhelm-Bode-Straße in Braunschweig benannt wurde.
Bode junior besuchte das Gymnasium in Braunschweig, studierte zunächst Jura in Göttingen und Berlin, anschließend
Kunstgeschichte und Archäologie. Schon als Referendariar in Braunschweig ordnete er die herzoglichen Sammlungen neu und
lernte auf Reisen wichtige Museen kennen, später erkundete er Italien und verantwortete die Neuauflage des „Cicerone", des
klassischen Reiseführers durch Italien. 1872 wurde Bode Assistent, dann Direktor der Berliner Skulpturensammlung, 1905
Generaldirektor der Berliner Museen. Dank seiner guten Kontakte zum Kronprinzen Friedrich und zu Kaiser Wilhelm II. konnte
er bedeutende Kunstankäufe durchsetzen, so kaufte er 1874 für eine Million Mark 200 Gemälde altdeutscher und holländischer
Malerei für Berlin. Ein Freund der Moderne war er nicht, die Kunst seines Freundes Max Liebermann galt für ihn als ästhetische Grenze.
Später erwarb Bode die Braunschweiger Münzsammlung Löbbecke für Berlin, förderte den Auf- und Ausbau der
islamischen, ostasiatischen, ägyptischen und archäologischen Abteilungen. Auf sein Betreiben hin entstand das Pergamon-Museum. Das heutige Bode-Museum umfasst die Skulpturensammlung, das Byzantinische Museum, ein
Münzkabinett und eine Auswahl von Gemälden Alter Meister, also die Sammelschwerpunkte des Namensgebers, der 1914
geadelt wurde. Auch seine Präsentation war stilbildend. Er widmete jeder Epoche einen Raum und versammelte darin Beispiele
aller Gattungen: Skulpturen, Gemälde und Mobiliar. Herzstück ist bis heute die Renaissance-Basilika nach den Vorbildern aus
Florenz. Die dichte Anordnung der Objekte wurde aber zugunsten der Skulpturen gelichtet. Bode starb am l. März 1929 in Berlin. Nach einem Artikel in der BZ, 10-2006
Carl I , Herzog von Braunschweig-Lüneburg (1. Aug. 1713- 26. März 1780; reg 1735-1780).
Nach zeitgenössischen Quellen wächst der spätere Herrscher als normaler Junge auf, dem das Lesen-und Schreibenlernen
eher schwer fällt und für den Latein jenseits jedes Interesses liegt. So stöhnt sein Hoflehrer Schlüter häufig, sein Eleve lasse ihm
des öfteren "das Blut warm werden". Mit zunehmender Reife folgt allerdings schon in jungen Jahren die Übernahme des
Herzogtums und die Vermählung mit Philippine Charlotte, Tochter des preußischen Königs Friedrich Wilhelm. Die Hochzeit
verschwägert Carl mit Friedrich II. - eine Kalkül-Ehe, aus der sich nur langsam gegenseitiger Respekt entwickeln soll. Aus der
Ehe gehen 13 KJinder hervor, darunter Anna Amalia, spätere Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach.
Carl I. hat das Land in ausgesprochen schwierigen Zeiten zu lenken. Der Siebenjährige Krieg (1756 bis 1763) beansprucht
die Finanzen so sehr, dass Braunschweig am Rande des Staatsbankrotts steht. Erst das entschiedene Eingreifen des Erbprinzen
sowie die Subsidienverträge mit England (aufgrund derer Braunschweiger Truppen in den Freiheitsktriegen in Nordamerika kämpften) bringt die finanzpolitische Wende.
Unter Carls I. Politik erlebt Braunschweig den Beginn einer kulturellen Blütezeit, die es unter dem Nachfolger zur
Kulturmetropole führen soll. Im Gegensatz zu heute war man sich der Bedeutung von Kultur und Wissenschaft für das
Staatswesen bewusst. In die Regierungszeit von Carl I. fällt die Verlegung der Residenz von Wolfenbüttel nach Braunschweig
und der Ausbau des Grauen Hofes als Residenzschloss. Wie sein Schwager, der preußische König Friedrich II., hatte sich Carl I. den Idealen der Aufklärung verschrieben. Seine Maxime lautete: "Fortschritt durch Bildung", auch und gerade für das Bürgertum.
Die von ihm erlassene Landschulordnung zählt zu den bis dahin modernsten Schulgesetzen Deutschlands. Schon 1745 hatte er auf Anregung des reformorientierten Pädagogen Jerusalem das Collegium Carolinum gegründet, aus dem die Technische
Hochschule (dann: Technische Universität) hervorging. Carl I. verleiht seinem Collegium den "fürstlichen Haus- und Burgfrieden" und damit weitgehende Autonomie. FähigenProfessoren werden berufen, um Fächer wie Botanik, Architektur, Rhetorik,
Dichtkunst, Philosophie, Theologie, Mathematik und Rechtswissenschaften zu unterrichtet.
Carls umfassende Bildungsreform führt weiter zur Gründung des Collegium Medicum (1747) und des Anatomisch-Chirurgischen Instituts (1750) in Braunschweig. Die Gründung seines Kunst- und Naturalienkabinetts, deren
reichhaltige Sammlungen von den braunschweigischen Herzögen über zwei Jahrhunderte zusammengetragen worden waren, geht
auf Vorschläge des Gelehrten Leibniz (1646-1716) zurück und wird durch den ersten Rektor des Collegium Carolinum, Abt
Jerusalem, nachhaltig unterstützt. Leiter wird Daniel de Superville. Nach der Verlegung der Residenz von Wolfenbüttel nach
Braunschweig wird das Kabinett auch für die Bevölkerung geöffnet. Mit der räumlichen Trennung der Sammlung von seiner
eigenen Residenz demonstriert der Herzog ihren öffentlichen Charakter. In ihrer systematischen Ordnung folgt die Sammlung,
der Vorläufer des Naturhistorischen Museums, dem neuesten "System der Natur" des schwedischen Naturforschers Linne.
Carl fördert das Manufakturwesen (Porzellanmanufaktur Fürstenberg 1747 [Zeittafel], Stobwasser Lackkunst) und
gründet das Leihhause (1765, heute Nord/LB), sowie die Brandversicherung (l753, heute Öffentliche Versicherung). Die
“Initialzündung” für letztere war der Großbrand der 1743 weite Teile von Schöppenstedt vernichtet und eine
Hungersnot ausgelöst hatte. Obgleich Carl überzeugt war, dass in solchen Situationen Nachbarschaftshilfe allein nicht
genügt, sollten noch zehn Jahre vergehen, bis die Gründung einer Brand-Versicherungsgesellschaft die Zustimmung der Bürger
findet. 1753 erlässt Carl die entsprechende Verordnung und ein Jahr später nimmt die Anstalt ihre Geschäfte auf. Der Gedanke
einer öffentlich-rechtlichen Gefahrengemeinschaft, die Lasten auf viele Schultewrn verteilt, hat die Jahrhunderte überdauert!
http://www.welfen.de/Carlii.htm
Carl II (1804-1873), Herzog von Braunschweig, war der erstgeborene Sohn von Friedrich Wilhelm
(1771-1815) Herzog zu Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern. Als Herzog Friedrich Wilhelm im Kampf gegen Napoleon in der Schlacht bei Waterloo 1815 überraschend getötet wurde, wurden Carl und sein
jüngerer Bruder Wilhelm (1806-1884) der Vormundschaft Königs Georg IV. von Großbritannien unterstellt. Bis zur Volljährigkeit Carls regierte ein Regentschaftsrat im neugegründeten Herzogtum
Braunschweig. Obgeich er bereits 1823 als Herzog in Braunschweig eingezogen war, übernahm er erst 1826 aktiv die Regierung. Die bis dahin durch die Übergangsregierung, das “Geheimratskollegium”
getroffenen Entscheidungen missbilligte er, wodurch sich allerdings die Bürger ihres Mitspracherechts beraubt sahen. Durch die Entlassung vieler Geheimräte und Verwerfung der 1820 erneuerten
Landständischen Verfassung (“Landschaftsordnung”) zog er den Unwillen auf sich.
Beide Söhne Friedrich Wilhelms, Carl II. und Wilhelm, waren unverheiratet, was nicht bedeutete, dass das Schloss
frauenlos war. Bekannte Maitressen wie die berühmte Hofopernsängerin Betty Dermer oder Charlotte Munden, die
den Künstlernamen „Lady Colville" trug, haben in Herzog Carls II. Regierungszeit ebenso den Stadtklatsch
beherrscht, wie sie das Hofleben bestimmten. Hofmarschall Christian Freiherr von Münchhausen berichtete am 5. September 1826 Herzog Wilhelm in Berlin über Carl II.: „Gnädigster Herzog,...unser Durchlauchtigster Herzog interessiert sieh fortwährend lebhaft fürs Theater, oder besser gesagt, für
Mademoiselle Dermer. Alle Morgen bis Mittags wird die Probe besucht, und Abends das Theater. Spielt die Dermer dann mit, so kommt der
Durchlauchtigste Herr nicht hinter den Coulissen weg, spielt sie nicht mit, so sitzt derselbe den ganzen Abend mit ihr bey zugezogenen Gardinen in der
kleinen Loge des 3. Ranges, welche dicht neben der Loge des Theater Persönals, und der Dermer als Eigenthum übergeben. Was Serenissimus dort
vornehmen, davon sägt die Fama nichts. Gebethet wird aber wahrscheinlich nicht."
Das neo-absolutisches Regime des Herzogs, Arbeitslosigkeit, Teuerung und Missernten führten 1830 zur Revolution im
Herzogtum und zu seiner Absetzung: Als Herzog Carl II. am Abend des 6. September 1830 das Hoftheater verließ - nach einer
Aufführung von Rossinis Oper „Othello" -, kam es zu Unruhen, und die Kutsche wurde mit Steinen beworfen. Am folgenden
Abend versammelte sich eine große Menschenmenge vor dem Schloss, so dass der Herzog sich bedroht fühlte und floh. Das
Ende ist bekannt: Die gegen den Herzog verschworenen Offiziere ließen keinen Widerstand leisten und die Menge stürmte und plünderte das Residenzschloss, das schließlich in Flammen aufging.
Ein letzter Versuch der Rückkehr scheiterte an der Grenze im Harz bei dem Ort Ellrich. Der dafür verantwortliche
Leutnant Jaeger berichtete von dem entscheidenden Moment in einem Brief an seine Eltern am l. Dezember 1830: „Ich stand in
diesem Augenblicke im Namen der Regierung, im Namen des ganzen Landes da, hatte mir deshalb auch fest vorgenommen, so
zu handeln, wie es meine Pflicht war. Ich sagte ihm, in welcher Absicht wir hier wären, dass er sich nicht unterstehen sollte, das Braunschweiger Land zu betreten." Im Gespräch mit Leutnant Jäger wies Carl II. mit den Worten „ich bin aber doch Ihr
Herzog” auf den militärischen Eid hin, jedoch erfolglos. Jäger sah sich durch die Flucht des Herzogs von diesem Eid entbunden.
In Braunschweig wurde die Ruhe durch Aufstellung einer Bürgerbrigade unter der Führung des Bankiers Löbbecke
wiederhergestellt. Unter der Herrschaft Herzog Wilhelms (1830-1884) erhielt Braunschweig mit der “Neuen
Landschaftsordnung” von 1832 eine konstitutionelle Verfassung, die den Bürgern und Bauern die Mitbestimmung garantierte.
Carl II. führte nach den geschilderten Ereignissen ein abenteuerliches und ruheloses Leben, zunächst in England, dann in
der Schweiz. Sein Ende fand er am 18. August 1873 in Genf. Um seine “entartete” Braunschweiger Verwandtschaft nachträglich
zu ärgern, hatte er sein gesamtes Vermögen der Stadt Genf mit der Auflage vermacht, ihm ein pompöses Denkmal zu errichten.
Das geschah, und so kann man noch heute am Ufer des Genfer Sees das Denkmal eines Braunschweigers bewundern, dessen Geschichte eigentlich nichts mit der Stadt Genf zu tun hat!
Carl Wilhelm Ferdinand (1735-1806), Sohn Carls I., wuchs inmitten seiner 13 Geschwister auf und genoss als Erbprinz eine
angemessene Erziehung durch Abt Jerusalem. Am 16. Januar 1764 heiratete er die älteste Schwester König Georgs III. von
England, Prinzessin Auguste von Wales/Hannover. 1773 übernahm er die Regierung im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel.
Die Ehe mit Augusta wurde aus politisch-dynastischen Gründen geschlossen und Augusta gilt als Personifizierung der europäischen Politik des
braunschweigischen Hofes: England hatte schließlich eine Schlüsselposition innerhalb der Europa bestimmenden Pentarchie der Großmächte..
Wichtiger als persönliche Zuneigung war für den Braunschweiger Hof die reichliche Mitgift der Ehefrau, denn wie stets waren: die Staatskassen leer.
So versteht es sich, dass das für Augusta gleichsam als Hochzeitsgeschenk errichtete Lustschloss Richmond weitgehend mit Mitteln aus ihrer
Privatschatulle finanziert wurde. Als das Brautpaar am 21. Februar 1764 seine Räume im Residenzschloss bezog, begann eine komplizierte Zeit für
die zukünftige Herzogin. Mirabeau schilderte diel Erbprinzessin in seiner Geheimen Geschichte als eher lächerliche Figur an einem glanzvollen Hof,
und Friedrich II. glaubte den Erbprinzen zu einer unglücklichen Ehe verpflichtet. Seine Schwester, Herzogin Phillipine Charlotte aber beschrieb die
Schwiegertochter in Briefen als sehr liebenswürdig. Sie gefalle jedem und mit ihren englischen Erfahrungen kenne sie die Politik wie ein geschickter Minister.
Als Sohn von Philippine Charlotte von Preußen, hatte Carl Wilhelm Ferdinand enge verwandtschaftlichen Beziehung zu
Preußen. Aufgrund eines Subsidienvertrages, in dem das Fürstentum Braunschweig Truppen an Preußen zu Verfügung stellte, kämpfte der 21-jährige Erbprinz im Siebenjährigen Krieg in der Schlacht von Hastenbeck tapfer und erfolgreich gegen Frankreich.
Unter dem Einfluss von Abt Jerusalem und dem Pädagogen Campe war Herzog Carl Wilhelm Ferdinand zu einem
aufgeklärten Fürsten herangereift. Seine Regierung war anfangs geschickt geführt und erfolgreiche Reformen ließen das kleine
Fürstentum Braunschweig aufblühen. Seine größte Leidenschaft blieb allerdings das Militär. Auf seine Ernennung zum
preußischen Feldmarschall, 1787, folgte der Oberbefehl über die preußischen und österreichischen Truppen mit dem Ziel, die
französische Revolutionsarmee zu besiegen. Das Vorhaben scheiterte mit der Kanonade von Valmy, worauf der Herzog 1794
sein Amt niederlegte. 1806 wurde er in einer fragwürdigen Entscheidung als Oberbefehlshaber der preußischen Armee reaktiviert. Sein Herzogtum hatte er für neutral erklärt und aus diesem Kampf herausgehalten.
Am 14. Oktober 1806, morgens um 10.25 Uhr, traf Carl Wilhelm Ferdinand, den Führer des preußischen Heeres
gegen Napoleon, beim Dorf Hassenhausen jene Kugel im Kopf, die wohl die vorzeitige Entscheidung der Schlacht
bei Jena und Auerstedt bedeutete. Napoleons Spruch „das Haus Braunschweig hat aufgehört zu regieren" bedeutete nicht nur das Ende der Selbstständigkeit des Landes Braunsehweig. Er war zugleich Ausdruck des ab
seines abgrundtiefen Hasses gegen den Heerführer. Schwer verletzt wurde Carl Wilhelm Ferdinand nach
Braunschweig gebracht, wo er noch die Frage der Thronfolge regeln konnte. Jeder Versuch, Napoleons Nachsicht
für den Sterbenden zuerbitten, schlug fehl, vielmehr drohte dieser mit Kriegsgefangenschaftgab und gab dem braunschweigischen Herzog die alleinige Schuld am Krieg.
Daraufhin beschloss Carl Wilhelm Ferdinand den Weg ins Exil. "Ich verlasse nun alles und bin von allen verlassen" -
des sollen am 25. Oktober 1806 seine letzten Worte im Braunschweiger Residenzschloss gewesen sein, ehe er
Braunschweig nachmittags um vier Uhr verließ. Eine große Menge trauernder Menschen füllte den Schlossplatz bei
der Abreise, mit der er die letzte Etappe der Flucht ins Exil im dänischen Ottensen bei Hamburg antrat. Dort starb er
am Morgen des 10. November 1806. Die Bitte, den Toten im Welfendom in Braunschweig bestatten zu dürfen, lehnte Napoleon brüsk ab, so dass Carl Wilhelm Ferdinand am 23. November 1806 in der Kirche von Ottensen
beigesetzt wurde. Erst im Jahre 1814 wurde er nach Braunsehweig überführt, wo er in der Welfengruft des Domes St. Blasii seine endgültige Ruhe fand.
Die Ehen seiner Töchter Auguste Caroline und Caroline Amalie aus der Verbindung mit Auguste scheiterten und von seinen drei
Söhnen war nur sein jüngster Sohn, Friedrich Wilhelm, der spätere “Schwarze Herzog”, körperlich und geistig gesund genug, um
- noch 1806 - seine Nachfolge antreten zu können. Auf einer Italienreise war Carl Wilhelm Ferdinand 1766 eine Beziehung zu
seine langjährigen Mätresse Maria von Branconi eingegangen, aus der ein weiterer Sohn, Carl Anton Ferdinand Graf von
Forstenburg, entspross. Als Flügeladjutant des Fürsten von Hohenlohe erlag dieser 1794 in Frankfurt seinen bei Kaiserslautern erlittenen Verwundungen.
Christian von Braunschweig, der “tolle Halberstädter". Jüngster Sohn von Herzog Heinrich Julius und gleichzeitig eine der
schillerndsten Persönlichkeiten der europäisehen Geschichte mit braunschweigischer Herkunft. Seit seinem 17. Lebensjahr
"Administrator des Bistums Halberstadt". Der junge Fürst war damals einer der fanarischsten Vorkämpfer des Luthertums im
niedersächsischen Raum. Er galt den einen als blindwütiger Mordbrenner, den anderen als zu spät gekommener Minne-Ritter.
Nach der Einnahme von Paderborn ließ Christian den silbernen Sarkophag des Heiligen Liborius im Dom einschmelzen und daraus Münzen prägen. Auf der einen Seite ein Arm mit einem Schwert und der Umschrift „Altera restat" - die andereHand
bleibt. Er spielte damit darauf an, dass er nach einer Verletzung die linke Hand amputieren ließ. Die andere Münzseite trug den
Spruch „Gottes Freund, der Pfaffen Feind". Die Zuneigung zu seiner Verwandten Elisabeth, der entthronten „Winterkönigin"
von Böhmen, bildete den Hintergrund emotional bestimmter Episoden-SchilderungenTrotz mancher Misserfolge und seinem
frühen Tod am 6. Juni 1626 war der Ruf des tollen Christian Furcht einflößend, wie in einem Gedicht von ricarda Huch festgehalten ist.
Papst Clemens II wurde im Jahre 1005 als Suidger de Maresleve et Horneburch in Hornburg geboren. Die Amtszeit dauerte
keine zehn Monate: am 9. Oktober 1047 starb er in Montelabbate. Gerichtsmediziner kamen zu dem Ergebnis, dass der Pabst
mit Bleiacetat vergiftet wurde; die Substanz gleicht in Geschmack und Aussehen einem Süßungsmittel. Möglicher Grund eines
Mordes war die ablehnende Haltung von Clemens II. gegenüber der Käuflichkeit kirchlicher Ämter. Sein Grab befindet sich im
Bamberger Dom und ist damit s´das einzige Greab eines Papstes nördlich der Alpen. Der Auftakt zum Papst-Clemens Gedächtnisjahr wird am 11. Februar 2005 im Rahmen einer Messe in St. Clemens stattfinden.
Elisabeth-Christine (* 28. August 1691 in Braunschweig; † 21. Dezember 1750 in Wien) war Prinzessin von
Braunschweig-Wolfenbüttel und als Gemahlin Kaiser Karls VI. (Titular-)Kaiserin des Heiligen Römischen Reichs Deutscher
Nation. 2008 werden wir ihre Heirat in Barcelona feiern, wo vor genau 300 Jahre die Zeremonie statt fand. Sie war die Mutter von Kaiserin Maria Theresia.
Nicht zu verwechseln mit Elisabeth-Christine von Braunscheig-Bevern, Tochter des Herzogs Ferdinand Albrecht II. von Braunschweig-Wolfenbüttel (Haus Bevern), die sehr viel später geboren wurde (*8. November 1715 in Wolfenbüttel; † 13. Januar 1797).
Ferdinand Albrecht (1636-1687), der “Wunderliche”, späterer Herzog von Bevern, entstammt der dritten Ehe Herzog Augusts
des Jüngeren mit Sophie Elisabeth von Mecklenburg-Güstrow. In einem Erbvergleich mit seinem ältesten Bruder, Herzog Rudof
August, erhielt er als Apanage das winzige Bevern an der Weser. Dort begründete er die Linie Wolfenbüttel-Bevern. Dort trug er
eine umfangreiche Kunstsammlung zusammen und betätigte sich literarisch als Mitglied der “Fruchtbringenden Gesellschaft” (Kapitel “Fehde”). Sein unstetes Wesen trug ihm schon zu Lebzeiten den Spott-Titel " Herzog zu Zittern und Bebern" ein.
Heinrich der Jüngere von Braunschweig-Lüneburg-Wolfenbüttel
(1489-1568, im Amt von 1514 bis 1568). Weitblickender Herrscher, der Ordnungsliebe und Temperament vereinigte. Sein Wahlspruch „Meine Zeit in Unruhe" charakterisiert nicht nur ihn selbst, sondern auch seine
Regierungszeit: Reformation (1517), Bauernkrieg (1524/25), Schmalkaldischer Bund (1531) und Augsburger Religionsfriede (1555). Heinrich bekämpfte bis zu seinem Tod die Reformation in seinem
Fürstentum und zeigte - zumindest nach außen - unverbrüchliche Treue zum katholischen Hause Habsburg, zu Kaiser Karl V. Seine Teilnahme am zweiten Krieg gegen Franz I. von Frankreich war von Opfern gezeichnet.
Während seine tausend Reiter aufgerieben wurden, gelang es ihm, als Reitknecht verkleidet, nach Hause zu fliehen. Sein Fürstentum reformierte und vergrößerte er mit harter Hand. Unnachgiebig
vertrat er die Landeshoheit gegen Adel und Städte, nicht zuletzt gegen Braunschweig. Gewann in der Hildesheimer Stiftsfehde
ein Teil des Bistums und schloss sich Kaiser Kart V. an, in dessen Diensten er in Spanien und Italien focht. Heinrich erließ eine
Kanzleiordnung und errichtete ein Hofgericht zum Aufbau einer straffen Verwaltungsorganisation.
In seinem Privatleben verbinden sich Tragik und Glück. Die beiden ältesten Söhne fielen 1553 in der Schlacht bei Sievershausen - ihr
Andenken lebt in zwei mächtigen Festungswerken Wolfenbüttels fort, der Karlsbastion und dem Philippsberg. Dadurch wurde sein
drittgeborener, von Jugend an leicht behinderter Sohn Julius erbberechtigt. Julius wurde charakterlich und körperlich für nicht
sonderlich regierungsfähig gehalten, auch weil er unverhohlen mit dem Protestantismus sympathisierte. Um dem Zwist mit dem Vater
aus dem Wege zu gehen, ließ er sich im Schloss Hessen nieder, wo er sich auf seinen Regierungsantritt vorbereitete.
Die zweite Ehe Heinrichs mit der polnischen Königstochter Sophie war unglücklich, blieb kinderlos und führte ihn in die Arme von Eva
von Trott, einem Hoffräulein seiner ersten Gemahlin. Herzogin Sophie schöpfte Verdacht. Als das Verhätnis nicht mehr tragbar war,
ersann das Paar den raffiniertesten Betrug, den das Renaissance-Zeitalter bis dahin gesehen hatte: 1532 kehrte Eva angeblich zu ihrer
Familie zurück. Auf dem Weg dahin wurde ihr plötzlicher Tod fingiert. Heinrich ließ eine Marionette mit ihrem geschnitzten Kopf in
Gandersheim begraben - die Mönche haben die “Tote” sogar eingesegnet und in der Klosterkirche begraben. Eva aber reiste zur
Staufenburg, wo sie weitere Kinder gebar, die auf den herzoglichen Namen ihres Vaters getauft wurden. Zur Vetuschung streute der
Herzog das Gerücht, auf der Burg ginge eine “weiße Frau” um. Die Finte flog auf und veranlasste Luther, Herzog Heintrich in seiner Streitschrift “Wider Hans Worst”als “unverschämten Lügner und Teufel” zu beschimpfen. Heinrich musste sich auf dem Reichstag
von Regensburg verantworten. Dennoch: Er blieb bei Eva, die ihm zehn Kinder gebar. Am 11. Juni 1568 starb er als letzter katholische Fürst Norddeutschlands.
Herzog Julius verlieh am 7. August 1570 der „Vorburg-Siedlung" Stadt- und Marktrechte sowie ein eigenes Wappen. Die
eigentliche Residenz, die Dammfestung, blieb bis 1747 von diesem Stadtrecht ausgeschlossen und führte weiterhin den Namen
Wolfenbüttel. In Erinnerung an seinen Vater Heinrich den Jüngeren (1489-1568) gab Herzog Julius dieser „neuen Stadt" den Namen „Heinrichstadt". Nach Stephan Pinkert, Wolfenbüttler Zeitung, 10.03.2005 und Gerd Biegel, ibid,. 09.09.2000.
Heinrich Julius , Herzog von Braunschweig und Lüneburg, wurde am 15. Oktober 1564 auf Schloss Hessen geboren;
erzogen wurde er in Gandersheim. Er war so begabt, dass er bereits mit zwölf Jahren das Rektorat an der neugegründeten
Universität in Helmstedt übernahm und dort eine freie lateinische Rede hielt. Seine weitere Ausbildung erhielt er in Gröningen,
wobei eine Vorliebe für juristische Studien unverkennbar wurde. Er beherrschte die lateinische, griechische und hebräische
Sprache. Auch war er in der Mathematik, der Chemie, der Philosophie sowie der Baukunst bewandert, wovon die
Renaissancebauten in Helmstedt (Juleum novum), die Marienkirche in Wolfenbüttel sowie die Schlosserweiterung in Gröningen
zeugen. Heinrich Julius galt als der gelehrteste Fürst seiner Zeit. Als tüchtiger Jurist vertrat er in vielen Streitigkeiten mit der Stadt Braunschweig selbst seine Ansprüche.
Bereits im Alter von zwei Jahren hatte ihn das Halberstädter Domkapitel zum Bischof gewählt, doch trat er dieses Amt
erst 1578 an, 1591 führte er den Protestantismus ein. Dabei war Heinrich Julius aber mehr Fürst als Bischof. Das Bistum
betrachtete er als willkommene Erweiterung seiner Macht. In seinem Bestreben, das Herzogtum zu erweitern, kämpfte er gegen
seine Lüneburger Vettern, befehdete die Stadt Braunschweig und zog, unbeirrt von Protesten der eigenen Verwandtschaft, die
ledigen Grafschaften Hohenstein und Regenstein ein. Immer bemüht, seinen Besitz zu mehren, führte er das von seinem
Vorgänger Bischof Albrecht V. begonnene Entwässerungsprojekt des Großen Bruches fort und legte von Homburg bis Oschersleben einen Schiffsgraben an, der von Hessen bis Oschersleben schiffbar war.
In dieses Bild passt auch die ihm zugeschriebene Einführung der Kartoffel aus England, die dann in Hessen in „Blumentöpfen" gezogen wurde. Selbst in der
Literaturgeschichte finden wir ihn als „dramatischen Dichter in seiner Muttersprache” wieder. Elf Dichtungen wurden bekannt. Sie sind zwar keine großen literarischen
Leistungen, aber ganz im bürgerlichen Sinne gefasst. Englischer Einfluss ist dabei unverkennbar. Die gesamte Prosa wurde zwischen 1593 und 1594 unter dem Pseudonym HIBELDEHA = Henricus Julius Brunsvicensis Et Luneburgensis Dux Episcopus Halberstadensis verfasst Sowohl im Braunschweiger als auch im Wolfenbüttler
Schloss wurden Tragikkomödien von „fürstlich bestallten Commödianten" aufgeführt. Heinrich Julius war der erste deutsche Fürst, der eine „stehende Hofbühne
errichtete und das Bühnenwesen in Deutschland förderte. Viele Jagdabenteuer aus der Komödie „Vincento Ladislao" finden sich später in den Geschichten des Lügenbarons Münchhausen wieder.
Obwohl sich Heinrich Julius dem bürgerlichen Drama zuwandte, blieb er ein typischer Renaissancefürst, der die
ausschweifendsten Ansichten von der fürstlichen Würde und Gewalt hatte und keine Gelegenheit ausließ, diese geltend zu
machen. So versteht sich auch seine Liebe zum Hoftheater. Seine glänzende Hofhaltung verschlang Unsummen und zerrüttete
die Finanzen seines Landes. Hohe Steuern waren die Folge. Die zahlreichen Hexenverbrennungen unter seiner Regierung ergänzen dieses zwiespältige Erscheinungsbild.
Ein Rechtsstreit zwischen mit der Stadt Braunschweig und Zwistigkeiten mit seinen Lüneburger Vettern führten Heinrich
Julius 1607 an den kaiserlichen Hof nach Prag. Dort erwarb er sich schnell das Vertrauen des Rudolf II von Habsburg, so dass dieser ihn in der Funktion eines „kayserlich römischer Mayestät Geheymen Raths" in wichtigen Reichsangelegenheiten entscheiden
ließ. So gelang ihm kurz vor dem dreißigjährigen Krieg die Wiederherstellung des Friedens zwischen Katholiken und Protestanten in Böhmen.
Alle diese Dienste führte er nicht zuletzt im eigenen Interesse aus: Er benötigte die Unterstützung des Kaisers für seine
Ansprüche gegenüber der Stadt Braunschweig und auf die Grafschaft Grubenhagen. Nachdem er diese erlangt hatte, zog er sich
vorübergehend nach Wolfenbüttel zurück, machte sich nach dem Tode Rudolfs II. jedoch wieder auf den Weg nach Prag, um seine Interessen auch durch den Nachfolger, Matthias, gewahrt zu wissen. „Hier in der Hauptstadt Böhmens überraschte ihn inmitten
seiner Pläne und Erwartungen ein früher, unerwarteter Tod, welcher infolge einer bei einem Zechgelage durch Unmäßigkeit verursachten Krankheit am 20. Juli 1613 erfolgte". Begraben wurde er in der Marienkirche in Wolfenbüttel. Nach einem Text von Horst Scholke
Abt Jerusalem. Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem, Abt in Riddagshausen und Prinzen-Erzieher am Hofe von Herzog Carl I.,
war im 18. Jahrhundert eine der führenden Persönlichkeiten der Bildungsgeschichte im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel.
Jerusalem gilt auch als aktiver Politiker, der sich deutlich vom Bild des weltfremden Gelehrten abhob und maßgebend an der
Modernisierung im Bereich von Schule und Universität, mitgewirkt hat. Hervorzuheben sind seine intensiven Bemühungen um
aktuelle Probleme des Schulwesens in Vechelde. Hintergrund war seine enge persönliche und „geistige" Beziehung zu Herzog
Ferdinand in Vechelde. Jerusalem war bei vielen Gelegenheiten zu Beratungen, Diskussionen und Gedankenaustausch bei
seinem Protektor. Das schönste Zeugnis dieser Verbindung ist das von ihm gestiftete Denkmal für Abt Jerusalem im Park in Vechelde.
 Julius, Herzog von Braunschweig und Lüneburg (1528—1589), dritter Sohn Herzog Heinrichs des Jüngeren,
gilt als der planende Bauherr der Residenzstadt Wolfenbüttel. Gleichzeitig wurde er der Begründer eines neuzeitlichen Staatswesens, das einen spätmittelalterlichen Staat ablöste. Im
Gegensatz zu seinem kriegerischen Vater, der als wütender Gegner der Reformation galt, war seine Regierung von nüchternem Ordnungssinn und wirtschaftlichem Denken
beherrscht - geprägt durch Aufenthalte in Frankreich und den Niederlanden. Zu einer Zeit als seine Brüder in der mörderischen Schlacht von Sievershausen im Kampf gegen
die evangelischen Reichsfürsten starben, kehrte er nach dreijährigem Studium an der Universität Löwen 1553 als Protestant nach Wolfenbüttel zurück. Diese Tatsache
erzürnte Heinrich den Jüngeren bis aufs Äußerste, was Julius bewog, das Herzogtum erneut zu verlassen. Erst eine schwere Krankheit seines Vaters bewirkte seine Rückkehr.
1568 übernahm Julius die Regierung eines von selbstherrlichen und korrupten Räten heruntergewirtschafteten Landes, das durch lange kriegerische
Auseinandersetzungen gezeichnet war. Auch die Streitigkeiten mit der aufsässigen Stadt Braunschweig verschärften sich zunehmend. So sah es Julius als seine Hauptaufgabe,
dem Land Frieden zu geben und die gestörte Ordnung wiederherzustellen. Aufbauend auf dem beginnenden Siegszug der Naturwissenschaften galt seine besonderes Interesse der Entfaltung der Wirtschaftskraft.
Nachdem die Allmacht der Räte gebrochen war, schuf Julius eine streng kontrollierte Beamtenhierarchie, die durch eine zentrale
Kanzlei gesteuert wurde. Seine Lebenshaltung war einfach und anspruchslos. Da er unter einer Gehbehinderung litt, regierte er überwiegend durch schriftliche Anordnungen vom Schreibtisch aus.
Julius litt an Wundrosen, hatte Fußgicht und Nierensteine, seine Gattin Hedwig wurde von Koliken geplagt. Im Laufe seiner Regentschaft hat Herzog Julius elf
Leibärzte im Rang von Beamten bestallt. Sie erhielten Jahresgehälter von bis zu 150 Talern und je nach Tätigkeit weitere Vergünstigungen bei freier Kost und Logis
sowohl am Hofe als auch auf Reisen. Der Herzog ließ sie einen Amtseid leisten und verpflichtete sie zu Treue und Verschwiegenheit, legte jedoch Wert darauf, dass sie
ihre Behandlungen in Briefen dokumentierten. In einem dieser Bulletins wird beschrieben, wie dem Herzog unter qualvollen Schmerzen drei Nierensteine „abgingen"
und ihm Zitronensaft verabreicht wurde - auch heute noch ein probates Mittel zur Erleichterung der Beschwerden. Unter den Leibärzten waren zwei Kapazitäten,
Johann Bökel und Jakob Horstius, die gleichzeitig als Medizinprofessoren an der Helmstedter Universität tätig waren. Mit Erlaubnis des Herzogs, der Verwachsungen
an den Füßen hatte, durfte David Bökel auch außerhalb des Schlosses praktizieren, Operationen und sogar Amputationen durchführen. Bei der „Leibeswartung" der
fürstlichen Familie beschränkten sich die Professoren allerdings bald auf medizinische Anweisungen an ihre Fackollegen und die höfische Dienerschaft. (Nach
aktuellen Recherchen von Dr. Gabriele Wacker im Rahmen eines Forschungsprojektes "Luxus und Medizin für den Hof: Einblicke in die Apothekengeschichte der
ehemaligen Residenzstadt Wolfenbüttel" [Geschichte der Naturwissenschaften, TU Braunschweig]. Frau Wacker sei für diesen Hinweis gedankt).
In der Tat war Julius ein unermüdlicher Arbeiter, der nicht nur Anweisungen gab, sondern selbst Pläne und Vorstellungen
entwickelte. So erklärt sich seine Neigung zur Alchemie durch sein Bemühen, ein Rezept zur Goldgewinnung zu finden, wobei
der sonst so misstrauische Fürst über Jahre von Schwindlern und Gaunern getäuscht wurde. Auch sein Versuch, Geschütze mit
einer Reichweite von mehreren Kilometern zu entwickeln, stellte sich als kostspieliges Unternehmen heraus. Sein 1575 für die
Steinkuhlen des Elms, der Asse und des Ösels herausgegebenes “Instrumentenbuch” mit einer Zusammenstellung der für jede
Steinkuhle notwendigen Geräte zeigt sein Interesse für das Berg- und Hüttenwesen. Als Hauptziel galt dem Abtransport der
Steine, wofür die Altenau (auch "Nette" genannt) bis 1577 immerhin so weit reguliert war, dass er mit Flößen befahren werden
konnte. Weitergehende Pläne, die Schiffbarmachung der Schunter und eine Verbindung mit Weser und Elbe, konnten nie verwirklicht werden.
Weitere Visionen: Als Herzog Julius vor rund 440 Jahren die Regierungsgeschäfte übernahm, verfolgte er alsbald einen grandiosen Plan: Wolfenbüttel sollte ein
optimaler Wirtschaftsstandort werden, ein Ort des regen geistigen Lebens, dessen militärische Sicherung den modernsten Anforderungen genügt. Vor allem aber
wünschte sich der Welfe Straßen, Kanäle und Wohnviertel, die die göttliche Ordnung widerspiegeln sollten. Die Stadt selbst, so forderte Julius, müsse einen
unverwechselbaren Grundriss bekommen - in Form eines Pentagons rund um das Schloss, etwa nach dem Vorbild Antwerpens. Dies galt als perfektes Abbild des Kosmos.
Auch diese kühnen Pläne des Fürsten blieben nicht in der Schublade liegen. Julius engagierte eigens Baumeister aus Holland, die seine Vision in Stein schlagen
sollten. Eine Großstadt "mit 30 000 Feuerstellen" sollte Wolfenbüttel werden. Aber das Vorhaben wurde im Zeitraum zwischen 1568 und 1626 nur ansatzweise verwirklicht,
so in den Vorstädten der eigenlichen Residenz, der Heinrichstadt und der Juliusstadt. Weitere Spuren des Umbaus finden sich in der rechtwinkligen Straßenführung,
Hofbeamtenhäusern und in der Trinitatiskirche, dem ursprünglichen Kaisertor.
Die Realität sah schlicht so aus: dem Nachfolger von Julius, Heinrich Julius, war das Projekt seines Vaters zu teuer und er befand, dass die Stadt in ihrer Enge bleiben
müsse. So stehen heute die herzoglichen Architekturplanung und Politik den Bauwerken gegenüber, die das Stadtbild prägen und doch Teil des großen Ganzen werden
sollten: dem Schloss, der Kanzlei (heute Landesmuseum) und der Kommisse. Die Kanäle, die am Kornmarkt und an der heutigen Kanzleistraße vorbei führten, sind längst zugeschüttet. Nach Barbara Uppenkamp "Pentagon von Wolfenbüttel", Verlag Hahnsche Buchhandlung 2005 (ISBN 3-7752-6029-3)
Die Planung des „Gotteslagers", eines riesigen Handelszentrums mit der Vereinigung von zwölf Dörfern und vier Klöstern und
die Gründung der Universität Helmstedt zählten zu weiteren Projekten, die im Interessenkonflikt mit kaufmännischem Denken
standen und daher nicht in vollem Umfang realisiert werden konnten. Zu den unbestrittenen Verdiensten von Herzog Julius
gehört, dass er er ein wohlgeordnetes Staatswesen hinterließ, dessen Größe nicht zuletzt durch Erbfolge erreicht worden ist. Er gilt als guter Landesvater, der nach dem Wahlspruch „Aliis inserviendo consumor" - Anderen zu dienen, verzehre ich mich" lebte. Nach Texten von Stefan Hoyer und Maron Kanther, Wolfenbüttler Zeitung 2005
Korb, Hermann (*1656 im Fürstentum Lippe † 1735) Gelernter Tischler. Wurde von den an der Wolfenbüttler Ritterakademie wirkenden Archtekturtheoretikern Johann Balthasar Lauterbach und Christoph Leonhard Sturm beeinflusst. Ab 1689 fürstlicher
Bauvogt in Wolfenbüttel, ab 1704 Landesbaumeister in der Nachfolge Lauterbachs. Er diente sechs Herzögen, wie auf seinem
Grabstein in der Wolfenbüttler Johanneskirche zu lesen ist. Besonders unter der Regentschaft von Rudolf August, Anton Ulrich und August Wilhelm schuf er eine Vielzahl an Residenzen (barocke Umgestaltung der Wolfenbüttler Residenz, Grauer Hof Braunschweig,
Schloss Sambleben), Lustschlössern (Salzdahlum in der Nachfolge Lauterbachs), Kirchen (Trinitatiskirche), und Funktionsbauwerken (Bibliotheksrotunde Wolfenbüttel; abgerissen 1887) sowie Verwaltungsbauten. Sein Tätigkeitsfeld lag im Braunschweigischen, darüber
hinaus aber auch im heutigen Sachsen-Anhalt, in Sachsen und Hessen. Korb war zweimal verheiratet. Er hatte einen Sohn, der als Gerichtsassessor Karriere machte.
Urkunden über oder Aufzeichnungen von Korb scheinen nicht überliefert zu sein. So entsteht aus zeitgenössischen Quellen ein Bild, das viel Raum für
wissenschaftliche Diskussionen bietet. War er in Paris oder nicht? Hat er Salzdahlum entworfen oder nur an dessen Erweiterung mitgewirkt? Sicher ist sein
Geburtsdatum, seine Herkunft und seine Ausbildung zum Zimmermann. Es ist möglich, dass Korb im Büro von Johann Balthasar Lauterbach, seinem Vorgänger als
Landesbaumeister, gearbeitet hatte. Dieser war schwer krank und so hätte sich Korb dort profilieren können. Herzog Anton mag ihn beim Bau des Salzdahlumer Schlosses entdeckt und dann gefördert haben.
Korb war zweimal in Italien. Entweder hat er den Herzog als Kammerdiener begleitet oder er hat eigene Studienfahrten unternommen. Für die erste These, sprechen die
eigenen architektonischen Ambitionen des Herzogs. Dagegen schreibt Zacharias Conrad Uffenbach in seinen Reisebeschreibungen, Korb sei ein seltsamer Mann
gewesen, der den Herzog ganz für sich eingenommen habe. Am Ende seiner, wie auch immer gearteten Ausbildung, stand jedenfalls die Ernennung erst zum Bauvogt, dann zum Landesbaumeister.
Korb hat sich auch als Baumeister den Pragmatismus des Handwerkers bewahrt. So hat er nicht etwa versucht, die in Italien
vorgefundenen Steinbauten zu kopieren oder umzusetzen, vielmehr hat er seine Fachwerkbauten um die in Italien
aufgenommene Formensprache bereichert. Offensichtlich führte dieses Vorgehen zu ungewöhnlichen Lösungen. Von Hermann
Korbs Bauten, die wie die berühmte Bibliotheksrotunde oder das Braunschweiger Residenzschloss ‘Grauer Hof’ überwiegend in Fachwerk aufgeführt wurden, sind viele heute nicht mehr erhalten.
Krabbe, Johannes, ein außergewöhnlich tüchtiger und vielseitiger Universalgelehrter, war von 1586 bis 1616 am herzoglichen Hof in Wolfenbüttel beschäftigt. Er begann als Leib- und Kammerdiener
von Herzog Julius, war jedoch bald für fast alles am Hof zuständig, was handwerklich höchsten Ansprüchen genügen musste und wissenschaftliches Verständnis erforderte. Er ging schließlich als
Astronom, Geometer, Feldmesser, Kartenzeichner, Kalendermacher, Mathematiker, Gold- und Kupferschmied, Instrumentenbauer, Büchsenmacher und Mathematiker in die Geschichte ein.
Komplizierte Vermessungsinstrumente, meist Astrolabien (Sternsuchgeräte), hat Krabbe für
die Ortsbestimmung und Navigation konstruiert. Die phantastische Panorama-Luftbildkarte der niedersächsischen Region von 1591, ein Meisterwerk der niedersächsischen Kartographie, entstammt
ebenfalls seiner Zeichenfeder. Dass mit dieser Karte das Reichskammergericht getäuscht worden ist und die Hildesheimer Stiftsfehde einen überraschenden und für den Wolfenbütteler Hof glücklichen
Ausgang nahm, sei nur am Rande erwähnt. Tatsächlich wurde anschließend ein Großteil des Hildesheimer Stiftsgebietes, das so genannte Große Stift, den Welfen in Wolfenbüttel zugesprochen,
und das, obwohl militärisch der Hildesheimer Bischof gesiegt hatte.
Johannes Krabbe erlebte in Wolfenbüttel als Diener dreier Herzöge, Julius, Heinrich Julius und Friedrich Ulrich, eine höchst
ereignisreiche Zeit und drückte dieser wie kaum ein zweiter der Epoche seinen Stempel auf.
Leibniz, Gottfried Wilhelm (1646-1716) Als Jurist, Mathematiker, Physiker, Historiker, Wissenschaftsorganisator, politischer
Ratgeber, als Bibliothekar, Sprachwissenschaftler, Philosoph, Theologe und Friedensstifter gelangte Leibniz zu bahnbrechenden
Erkenntnissen - eine Folge seiner Fähigkeit, "vernetzt" zu denken. Kaum bekannt sind seine ersten Berechnungen für Brand- und
Lebensversicherungen. Die von Leibniz erarbeiteten Tabellen bildeten bis heute die Grundlagen der Tarife in diesem Bereich.
„Um alles aus dem Nichts zu machen, genügt eins", lautet eine der zukunftsweisenden Behauptung des Mathematikers.
Auf dieser Theorie basierend, stellte er die Rechenregeln für Binärzahlen auf, womit er die Voraussetzungen für die moderne
Datenverarbeitung schuf. Auch die Integral- und Infinitesimalrechnung sind ihm zuzuschreiben. Zudem gilt Leibniz als Erfinder
der Rechenmaschine und des Nagels mit gefeilten Widerhaken (Dübel). Als Philosoph propagiert er die Einheit von Materie,
Geist und Seele und erklärt die Harmonie zum Ordnungsprinzip. Seine moralischen Schöpfungsprinzipien basieren auf Gerechtigkeit, Weisheit und Güte.
Dass das Universal-Genie so gut wie keine Zeit für ein Privatleben hatte, liegt für Stein auf der Hand. Leibniz war nie
verheiratet, jedoch der Königin Sophie Charlotte von Brandenburg, der Gattin Friedrichs I. von Preußen, „sehr zugetan". Sie unterstützte Leibniz nicht nurbei der Gründung der Akademie der Wissenschaften in
Berlin, bevor sie im Alter von 36 Jahren in Hannover starb.
Maximilian Julius-Leopold, Herzog von Braunschweig-Lüneburg (* 12. Oktober 1752 in Wolfenbüttel; † 27. April 1785 in
Frankfurt an der Oder) war das 13. Kind und der jüngste Sohn Herzog Carls I. und dessen Gemahlin Philippine Charlotte. Er
erhielt seine Erziehung von Aufklärern wie Abt Jerusalem, Karl Christian Gärtner und J. A. Ebert, die ihn stark prägten. Auf
einer Italienreise wurde er 1775 vom wichtigsten Dichter der deutschen Aufklärung Gotthold Ephraim Lessing begleitet. Leopold
war aktiver Freimaurer und war dafür bekannt, Dinge zu tun, die für seinen Stand und die damalige Zeit „ungewöhnlich“, um
nicht zu sagen „revolutionär“ waren, so suchte er Arme in deren Behausungen auf und verkehrte mit Juden. Er galt bereits zu
Lebzeiten als Verkörperung des Gleichheitsgedankens zwischen den Menschen. Als Generalmajor in preußischen Diensten
ertrank Leopold 1785, im Alter von nur 32 Jahren, bei dem Versuch, vom Oderhochwasser Eingeschlossene in Frankfurt zu
retten. Keine noch so flehentliche Bitte hatte den Herzog zurückgehalten, auch nicht der Einwand, es handele sich "doch nur um einfache Einwohner".
Die Legende überliefert, dass Leopold den Kahn mit den Worten "auch jener Leben ist kostbar" bestieg. Die Nachricht
von Art und Umständen seines Todes verbreitete sich schnell und ebenso schnell wurde zum Idol des aufstrebenden Bürgertums.
Der Einsatz seines Lebens zur Rettung anderer wurde in dem Ausspruch „Fürstenblut für Bürger vergossen“
zusammengefasst: die Freimaurer warben damit um neue Mitglieder. Seine letzte Ruhestätte fand Leopold in der Krypta des
Braunschweiger Doms. Sein Tod bzw. die Rolle, die Leopold später zugewiesen wurde fanden starken Nachhall in Kunst
(Leopold-Gemälde, -Medaillen, -Denkmäler) und Literatur (Goethes "Dich ergriff mit Gewalt der alte Herrscher des Flusses...).
Lothar III., auch “Lothar von Süpplingenburg genannt, zählt zu den herausragenden Herrschern seiner Zeit., obgleich das
Bewusstsein hierfür (noch) relativ gering ist. Durch seine Heirat mit Richenza, der Erbin umfangreichen Besitzes um Göttingen
und Braunschweig, und durch das Herzogtum Sachsen, das ihm 1106 Kaiser Heinrich V. übertragen hatte, war Lothar zu Beginn
des 12. Jahrhunderts zum mächtigsten Fürsten im Norden des Reiches geworden. Auf Lothars Königswahl folgten langwierige
Auseinandersetzungen mit den Staufern, die das Königtum für sich beanspruchten. 1127 wurde der Staufer Konrad III. zum
Gegenkönig erhoben sieben Jahre später unterwarf er sich schließlich dem mächtigen Lothar. Lothar starb am 4. Dezember 1137
auf dem Rückweg von seinem zweiten Italienzug und wurde am 31. Dezember in der Stiftskirche zu Königslutter (dem “Kaiserdom”) beigesetzt. Seine Herrschaft bildete eine Übergangsphase zwischen Saliern und
Staufern, die die zentralen Epochen der deutschen Geschichte verkörpern.
Manche Darstellungen zur Geschichte des Mittelalters blenden die 12 Jahre der Übergangsphase bewusst aus. Doch war
Lothar III. nicht nur für die Regionalgeschichte keineswegs nur eine norddeutsche Figur, deren Herrschaft sich als
Provinzkönigtum charakterisieren ließe. Vielmehr erzielte seine Leistung, die weit über den regionalen Rahmen hinausreichte, im
Politischen eine ebenso große Wirkung, als sie mit der Stiftskirche in Königslutter ein bau- und kunstgeschichtlich überregional
bedeutendes Denkmal hinterlassen hat. „Hätte ihn nicht der Tod vorzeitig abberufen, er, der „Friedenskönig", der seinem Land
„Frieden, Eintracht und Ordnung" gegeben hat, wäre dazu geschaffen gewesen, "durch seine Tüchtigkeit und Beharrlichkeit der Krone des Reiches ihr früheres Ansehen wiederzugeben". -
so die Meinung seiner Zeitgenossen.
Ludwig-Rudolf , Herzog von Braunschweig-Lüneburg (1671 -1735) Zur Genugtuung der Wolfenbütteler Herzöge über die Rückeroberung der Stadt Braunschweig kam 1671 die
Freude über die Geburt von Herzog Anton Ulrichs drittem Sohn, Ludwig Rudolf. Dieser wuchs am Hof seines Onkels, des regierenden Herzogs Rudolf-August auf, der - ohne eigene Söhne und an Regierungsgeschäften
wenig interessiert - Anton-Ulrich zum Mitregenten gemacht hatte. In frühen Lebensjahren erhielt Ludwig-Rudolf, gemeinsam mit seiner älteren Schwester Henriette Christine, die zwischen 1694 und 1712
Äbtissin des Reichsstiftes Gandersheim werden sollte, Religionsunterricht. Seine weitere Ausbildung wurde in die Hände des Hofmeisters Busso von Münchhausen (1636-1697) und des Präzeptors Joachim Christoph
Stisser (1652-1734) gelegt.
Dem späteren Büchernarren, dessen Sammlung heute Bestandteil der Herzog August Bibliothek ist, war zu dieser Zeit noch keine Neigung zur Gelehrsamkeit
anzumerken. Aus Wut über die Züchtigung, die er wegen seiner Faulheit von einem seiner Erzieher empfangen hatte, soll er kurzerhand eine Grammatik ins Kaminfeuer
geworfen haben. In der Schar der Geschwister nahm Ludwig Rudolf als Liebling seines Vaters schon früh eine Sonderrolle ein, die sich auch in der Nachsicht
gegenüber seiner notorischer Spiellust niederschlug. An manchen Abenden soll er beim Spiel bis zu 3000 Taler verloren haben. Die Tagebucheintragungen belegen
seine Furcht vor dem väterlichen Zorn - schließlich betrug das Jahresgehalt des höchsten Hofbeamten knapp 1 000 Taler - doch Herzog Anton Ulrich scheint Ludwig
Rudolfs Spielschulden immer wieder beglichen zu haben.
Die Tatsache dass Ludwig Rudolf ein fleißiger Tagebuchschreiber war, macht seine Vita oft bis in kleine Einzelheiten nachvollziehbar und zeigt, dass der begeisterte
Spieler nach seinen Ausbildungsjahren auch viel in der Welt herumgekommen ist.1685 ging es in Begleitung seines Hofmeisters Friedrich von Walther (1649-1718)
nach Venedig. Von dort führte der Weg nach Turin, wo der junge Herzog über ein Jahr lang die Ritterakademie besuchte. Im Herbst 1686 kehrte er nach Venedig zurück,
um von dort aus eine Rundreise über Florenz und Rom anzutreten. Nach kurzem Zwischenaufenthalt in Wolfenbüttel begab er sich auf eine vergleichsweise kurze
Kavaliersreise nach Frankreich und in die Niederlande. In Versailles stellte ihn Herzogin Elisabeth Charlotte von Orleans (besser bekannt als Liselotte von der Pfalz)
ihrem königlichen Schwager und seiner Familie vor. Über Den Haag und Amsterdam gelangte er zurück nach Wolfenbüttel, wo er die folgenden eineinhalb Jahre am
väterlichen Hof verbrachte und als erster Student die neugegründete Ritterakademie besuchte.
Zu Beginn des Jahres 1689 trat der Prinz eine neue Reise an, diesmal in
Richtung Norden, wo er an den Höfen von Kopenhagen und Stockholm zum gerngesehenen Gast der königlichen Tafel wurde. In Schweden erreichte ihn der schriftliche Befehl seines Vaters, er möge sich mit der
braunschweigischen Kompanie am französisch-niederländischen Krieg beteiligten. Als gehorsamer Sohn war er sogleich marschbereit, doch auf dem Weg nach Holland erkrankte er an den gefürchteten Pocken und war
gezwungen, am befreundeten ostfriesischen Fürstenhof von Aurich bei Fürst Christian Eberhard eine Zwangspause von acht Wochen einzulegen. Glück im Unglück: dort ergab sich die Gelegenheit zu einem ersten Kennen- und
Liebenlernen der jungen Christine-Louise von Öttingen, seiner späteren Gemahlin. Nach seiner Genesung setzte Ludwig-Rudolf den Weg über
Amsterdam und Nimwegen zu seiner Kompanie fort. Gegen Jahresende erreichte ihn erneut ein Schreiben seines Vaters, diesmal mit der erfreulichen Ankündigung, ihm werde die Leitung der Komtur des Johanniterordens in
Süpplingenburg übertragen. Er reiste also nach Hause und machte sich sogleich auf den Weg nach Sonnenburg, wo er zum Ritter des Ordens geschlagen wurde.
Um seine Zukunft materiell vollends abzusichern, setzte man zu Beginn des Jahres 1690 einen Familienvertrag auf, der
ihm die Herrschaft über die Grafschaft Blankenburg sicherte. Während der Karnevalssaison bei den Vettern und Basen in
Hannover, zu denen die Wolfenbütteler damals noch beste Beziehungen pflegten, bot sich dem frischgebackenen Ritter ausgiebig
Gelegenheit, die Bande zur ebenfalls anwesenden Christine Louise enger zu knüpfen. Bald feierte man Verlobung, und wenig
später wurde das Brautpaar in Aurich getraut. Bei der Schlacht von Fleury im Frühsommer 1690 tat er sich durch besondere
Tapferkeit hervor und geriet in die Hände gegnerischer Franzosen, denen er schließlich mit viel Glück entkommen konnte. Nach
Deutschland zurückgekehrt, begann ein reger Pendelverkehr zwischen Aurich und Wolfenbüttel, bevor Ludwig Rudolf 1691 endlich auch offiziell mit seiner jungen Frau festlichen Einzug in die Vaterstadt halten konnte.
Zwar reiste Ludwig Rudolf weiterhin im Auftrag seines Vaters in politischer Mission an andere europäische Höfe, doch
machte sich nun eine zunehmende Sesshaftigkeit bemerkbar. Mit Herzogin Christine Louise hielt er sich meist in Wolfenbüttel
auf, wo in regelmäßiger Folge die Töchter Elisabeth Christine (1691-1750), Charlotte Christiane Sophie (1694-1715) und
Antoinette Amalie (1696-1762) geboren wurden. Alle drei Mädchen verheiratete man später äußerst prestigeträchtig:
Elisabeth-Christine wurde die Gemahlin Kaiser Karls VI. (*1685; 1711-1740),
Charlotte-Christiane Sophie gab man dem russischen Zarewitsch zur Frau,
Antoinette-Amalie wurde die Gattin des nachfolgenden Herzogs Ferdinand Albrecht (1680-1735) aus der Nebenlinie
Bevern, dem 1735 eine nur kurze Regierungszeit vergönnt war. Damit wurde sie die Mutter des „Neuen Hauses Braunschweig", sowie Schwiegermutter König Friedrichs II von Preußen.
Am südlichen Rand des Lechlumer Holzes (heutiger Forstweg) gab es von 1732 bis 1832 ein stattliches Lustschloss mit einem beeindruckenden Barockgarten. Dieses
hatte Herzog-Rodolf für Prinzessin Antoinette Amalie als langgestrecktes Schloss mit einem zweigeschossigen Mittelbau und einstöckigen Flügeln angelegt. Eine
erste Gartenanlage an dieser Stelle geht auf 1702 zurück und fällt in die Regierungszeit von Herzogs Rudolf August (1666-1704).
Wie viele der Schlossbauten und Herrenhäuser in der Region war „Antoinettenruhe" als Fachwerkbau errichtet und geht auf die letzten Lebensjahre des
Landbaumeisters Hermann Korb (1656-1735) zurück. Am Innenausbau wurde noch einige Jahre nach dessen Ableben weiter gearbeitet. Auf dem zur Stadt hin
abfallenden Terrain lag auf der Südseite des Schlosses der Garten, der sich quer fast über die gesamte Breite zwischen Altem und Neuem Weg erstreckte. Diese
beachtliche Anlage war terrassiert und in barocker Manier in geometrische Heckenquartiere und Beete unterteilt. Diese beherbergten geschnittene Taxusgewächse, Orangenbäume und Statuen.
Abwechslung vom Wolfenbütteler Hofleben boten während dieser Jahre immer wieder die Reisen zur Verwandschaft in
Öttingen, Arnstadt, Meiningen und Idstein oder zu Badekuren nach Ems und Wiesbaden. Als Herzog Anton Ulrich im Jahr 1704
Alleinherrscher in Wolfenbüttel wurde, begann sein jüngerer Sohn ab 1705 mit der Erweiterung der hoch über dem Städtchen
Blankenburg gelegenen alten Grafenburg zum repräsentativen Schloss. Nach der Vermählung von Elisabeth Christine mit
Erzherzog Karl, erhob man das kleine Blankenburg 1707 zum Fürstentum. Ein Jahr darauf zogen die stolzen Schwiegereltern des
Kaisers endgültig von Wolfenbüttel in ihr neues Ländchen. In mehreren Bauabschnitten, die im Jahr 1711 durch die Krönung
ihres habsburgischen Schwiegersohnes (dieser wurde als Karl VI. Römischer Kaiser) und durch die russische Hochzeit ihrer
zweiten Tochter verstärkte Schubkraft bekamen, entstand bis 1731 eine prächtig ausgebaute Barockresidenz. Die glänzende
Hofhaltung wurde stark von der Theater- und Musikleidenschaft des Fürstenpaares bestimmt. Wie so viele andere
Weifenherzöge war auch der Blankenburger Fürst ein begeisterter Büchernarr und -Sammler. Seine umfangreiche Bibliothek
brachte man in einem eigens hierfür eingerichteten Gemach oberhalb der Schlosskirche unter. Darüber hinaus bewies er bei Regierungsangelegenheiten und in der Wahl seiner Verwaltungsbeamten Voraussicht und Geschick.
Als 1731 der prunkliebende, aber schwache Herzog August-Wilhelm im Alter von 69 kinderlos starb, trat Ludwig-Rudolf,
selbst schon ein Sechziger, dessen Nachfolge in Braunschweig-Wolfenbüttel an. Als tatkräftiger Premierminister stand ihm der
ehemalige Wolfenbütteler Kammerpräsident Hieronymus von Münchhausen (1680-1742) zur Seite, der für eine Konsolidierung
der herzoglichen Finanzen und eine wohlgeordnete Administration sorgte. Neben dem Premierminister kamen aus Blankenburg
eine Reihe weiterer fähiger Verwaltungsbeamter. Das neue Herzogspaar lebte zwar hauptsächlich im Wolfenbütteler Schloss, da
der Haupttrakt des "Grauen-Hofes" in Braunschweig von Herzogin Sophie Marie (1683-1767) als Witwensitz beansprucht
wurde, doch hielt die Tendenz zur Verlagerung des Machtschwerpunktes nach Braunschweig an. Das herausragende Ereignis in
Ludwig Rudolfs kurzer Regierungszeit waren 1733 die Festivitäten zur Vermählung des preußischen Kronprinzen Friedrich mit der Herzogin Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern im Lustschloss Salzdahlum.
Seine nur vier Jahre dauernde Regierungszeit war für das Land überwiegend segensreich. Der persönlich gutmütige und
wohlmeinde Ludwig-Rudolf starb, viel betrauert, am 1. März 1735 in dem von seinem Bruder erbauten “Grauen Hof” in
Braunschweig. Man errichtete für ihn und seine Frau im Mittelschiff des Braunschweiger Doms ein prunkvolles Grabdenkmal
direkt hinter jenem von Heinrich dem Löwen und seiner Frau Mathilde. Auf einem Sockel aus Marmor ruhend, zeigt die
Zinnplastik das überlebensgroße Herzogspaar umgeben von Machtinsignien und Symbolen der Vergänglichkeit. Ludwig-Rudolf hinterließ
wie sein Bruder keinen Sohn. Daher folgte ihm der mit der jüngsten Tochter Antoinette Amalie
verheiratete Vetter Ferdinand Albrecht II. aus der Nebenlinie Braunschweig-Bevern. Dessen Regierung sollte nur wenige Monate dauern, doch hatten seine Nachkommen den Braunschweiger Thron bis 1884 inne. SCHREIBEN DES LUDWIG-RUDOLF
Münchhausen Die weit verzweigte Familie von Münchhausen ist mit dem welfischen Land seit Jahrhunderten eng verbunden.
Noch heute leben Münchhausens in unserer Region, so wie auf Gut Groß Vahlberg an der Asse. Das Adelsdgeschlecht betritt
das Licht der Geschichte 1183 auf der gleichnamigen Burg beim Kloster Loccum am Steinhuder Meer. Es teilt sich Mitte des 13.
Jahrhunderts in eine “weiße” und eine “schwarze” Linie, deren Zweigen seit 1861 zumeist die Führung des Freiherren-Titels zuerkannt wird.
Karl Friederich Hieronymus von Münchhausen (1720-1797) wurde am 11. Mai 1720 in Bodenwerder geboren. Seine Mutter, die für ihren Sohn eine standesgemäße
Karriere wünschte, schickte den Jungen im Alter von 12 Jahren zur Erziehung an den Hof des braunschweigischen Herzogs Carl I. nach Wolfenbüttel. Nach einem
abenteuerlichen Leben in fremden Ländern - die Teilnahme an zwei Türkenkriegen eingeschlossen - zog sich der leidenschaftliche Jäger und Offizier auf das väterliche
Gut in Bodenwerder zurück. Dort führte er das beschauliche Dasein eines Landedelmannes, gespickt mit vielen Festen und Jagden. Der Hausherr war ein äußerst
begabter Erzähler, dem man seine witzigen Übertreibungen nie übel nahm. 1781 erschien eine Sammlung von Erlebnissen des “Lügenbarons”, die 1786 durch G. A.
Bürger aus dem englischen zurück ins Deutsche übersetzt wurde.
Pappenheim , Gottfried, Heinrich, Graf zu (1594-1632) kaiserlicher Reitergeneral im 30jährigen Krieg. Diente bis1631 unter
Tilly, doch hielt er den in die Jahre gekommenen kaiserlichen Feldherrn, der bis dahin noch keine Schlacht verloren hatte, für
unfähig, ja für senil und machte auch gegenüber Dritten keinen Hehl daraus. Pappenheims zweifellos vorhandenes taktisches
Geschick, sein sprichwörtlicher Mut und sein soldatisches Glück veranlassten ihn zu oft, ohne Zustimmung seines Vorgesetzten Angriffe zu unternehmen, die - strategisch gesehen - große Fehler waren.
Pappenheim besaß niemals Wirklichkeitssinn. Für einen Oberbefehl fehlte ihm die nötige Geduld und die Gabe, die Gesamtsituation
objektiv zu erfassen. Andererseits hatte er auch nicht das Zeug für eine untergeordnete Stellung. Er war rücksichtslos gegen die
Mannschaft, anmaßend und arrogant; - aber er war auch der Abgott seiner Soldaten: der erste beim Angriff und der letzte beim
Rückzug. Um seinen unglaublichen Mut rankten sich Legenden. Seine hundert Narben, deren er sich rühmte und das Muttermal, das
zwei gekreuzten Schwertern glich, bestätigten die Soldaten in ihrer Meinung. Sein Selbstbewußtsein wurde außerdem durch eine
Weissagung seiner Familie bestärkt, dass ein Sprössling des Hauses einen einfallenden König töten und das Vaterland retten werde.
"Daran erkenn´ ich meine Pappenheimer" - mit diesem Zitat aus Schillers Drama "Wallenstein" (III.Akt, 15. Aufzug) wurde Graf
Pappenheim zum Synonym für Zuverlässigkeit und Tapferkeit. Hätte aber Schiller in seinem Drama auch den kaiserlichen Feldherrn Tilly
zu Wort kommen lassen, wären für dessen Urteil über Pappenheim sicher die Worten zitiert worden, die Tilly vor der (von Pappenheim
provozierten) Schlacht gegen die Schweden bei Breitenfeld 1631 äußerte: "Dieser Kerl wird mich um meine Ehre und meinen guten Ruf bringen und den Kaiser um sein Land und Volk".
Eine Facette im Charakter dieser schillernden Persönlichkeit zeigt sein Verhalten bei der Belagerung Wolfenbüttels: Nach der
Niederschlagung der aufständischen Bauern in Österreich zog es Pappenheim nach Norden. Dort kämpften inzwischen Tilly und Wallenstein erfolgreich gegen den
dänischen König. Ihnen schloss sich Pappenheim an, und er rückte mit 12 000 Mann Tillyscher Truppen im September 1627 vor Wolfenbüttel. Zwischen den Kämpfen
um die Festung traf sich Pappenheim mit den Verteidigern, zechte mit ihnen und bestätigte, dass sie tapfere Feinde sind, mit denen man gut und gerne über ritterliche
Taten diskutieren könne. Er konnte deren Taten nur 2 Monate rühmen, denn am 9. Dezember 1627 ergab sich Wolfenbüttel, nachdem es heftig unter Okerwasseer gesetzt worden war (Herzogtum).
Philipp Ludwig wurde 1660 von Herzog Rudolf August von Braunschweig zum Probst ernannt. Ab 1668 war er Geheimrat
und ab 1680 Kanzler und Direktor des Consistoriums und der Klosterratstube. 1684 wurde er von Kaiser Leopold I in den
Adelsstand gehoben. 1688 errichtete er auf den Grundfesten der alten Burg Wendhausen das Schloss. Phillip Ludwig Probst von Wendhausen, nunmehr der reichste Mann im Herzogtum Braunschweig, feierte hier rauschende Feste. Im prunkvollen
Herzogsaal empfing er nicht nur die Braunschweiger Herzöge Rudolf August und Anton Ulrich. Phillip Ludwig selbst starb 1718 - sein Sarg steht im südlichen Kreuzflügel des Braunschweiger Doms.
Schottelius, Justus Georg, bekannt als der "Erfinder des Semikolons" gilt als bedeutendster Erforscher und Grammatiker der
deutschen Sprache in seiner Zeit, zudem als namhafter Dichter. Wie viele Literaten und Schriftsteller war er ein Pfarrersohn,
geboren am 23. Juni 1612 in Einbeck. Nach einem Jurastudium in Helmstedt, Leiden und Wittenberg wurde er 1638 Herzog
August empfohlen, der nach einem geeigneten Erzieher für seine Kinder suchte. Acht Jahre lang unterrichtete er dann die Söhne
Rudolf August (11 Jahre) und Anton Ulrich (5 Jahre) sowie die Töchter Sibylle-Ursula und Clara Augusta - zuerst in
Braunschweig, seit 1644 in Wolfenbüttel, bis zu einem feierlichen Abschlussexamen 1646, mit dem Herzog August sehr
zufrieden gewesen sein muss. Schon während seiner pädagogischen Tätigkeit konnte Schottelius eine höfische und
Beamtenkarriere beginnen, die ihn bis zu seinem Tod 1676 in Wolfenbüttel hielt. Nacheinander wurde er Hofgerichtsassessor, Konsistorialrat und Hof- und Kammerrat.
Für seinen Nachruhm ist bedeutend, dass er 1641 in Braunschweig seine „Teutsche Sprachkunst" und 1643 in Lüneburg „Der Teutschen Sprache Einleitung" sowie 1645 in Wolfenbüttel seine „Teutsche Vers- und Reimkunst" erschienen ließ, worin er - wie er es nannte - „eine Ausarbeitung der teutschen Sprache" unternahm.
Schwarzer Herzog (Herzogtum Braunschweig): Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg-Oels (1771-1815).
Der "Schwarze Herzog" , um den sich schon zu seinen Lebzeiten Legenden rankten, ist eine der schillerndsten Figuren im Braunschweiger Herzogtum. 1771 geboren
und vom Vater, Herzog Carl-Wilhelm Ferdinand, als Thronfolger bestimmt, konnte er das Erbe nicht antreten, denn im "Frieden von Tilsit" war das Herzogtum Napoleons
Bruder Jérôme und seinem "Königreich Westfalen" zugeschlagen worden. In seinem fernen Fürstentum Oels (Schlesien), das durch Heirat und Erbschaft als preußisches
Lehen an die Braunschweiger Herzöge gekommen war, sann er auf Rache, warb Offiziere und Mannschaften an und stellte ein Söldnerheer zusammen.
Dieses "Herzoglich Braunschweigische Korps", wegen seiner überwiegend schwarzen Uniform auch "Schwarze
Schar" genannt, fiel am 21.05. 1809 zusammen mit einer österreichischen Abteilung in Sachsen ein, nahm
Dresden und Leipzig; König Jerome wurde bis Erfurt zurückgedrängt. Trotz dieser Anfangserfolge gestaltete sich
der weitere Kriegsverlauf für Österreich ungünstig, so dass am 12.07.1809 der Waffenstillstand von Znaim zwischen Österreich und dem französischen Kaiser geschlossen wurde. Friedrich Wilhelm fasste darauf den
Entschluss, sich mit seiner Schar bis zur Nordseeküste durchzuschlagen, um seine Truppen nach England zu führen. Nachdem Halle und Quedlinburg passiert waren, kam das Freikorpos am Abend des 29.07.1809 vor den
Toren Halberstadts an, wo bereits das 5. westfählische Linienregiment lagerte. Der schwarzen Schar gelang es,
den Gegner in einer nächtlichen, verlustreichen Schlacht zu schlagen. Jetzt zog man in Richtung Wolfenbüttel. Am 30.07.1809 betrat der Herzog in den Abenstunden kurz vor Hessen nach langer Zeit wieder
braunschweigischen Boden. Am 31.07. 1809 folgte der Einzug in Braunschweig unter dem Jubel der Bevölkerung.
Ein feindliches Korps aus 6000 Soldaten wurde am 01.08. bei Ölper geschlagen - unterstützt von Braunschweiger Landsleuten, die mit Sensen und Dreschflegeln zur Hilfe geeilt waren. Die Schwarze Schar zog dann in
Eilmärschen über Hannover nach Elsfleth und Brake, wo sie sich der Handelsschiffe und Weserfahrzeuge
bemächtigte. Am 08.08. war das Freikorps auf Helgoland versammelt und wurde von der britischen Flotte nach England gebracht, wo es neue Einsatzbefehle gegen
Napoleon erhielt. Der Herzog musste tatenlos zusehen, wie sein ursprünglich 2300 Mann starkes Freikorps in der "Deutschen Legion" unter Befehl seines Schwagers,
des späteren Königs Georg IV. von England, in Spanien und Portugal aufgerieben wurde. Am 22. Dezember 1813 traf er wieder in dem durch Preußen befreiten Braunschweig ein.
Doch Napoleon meldet sich noch einmal im Welttheater zurück - Herzog Friedrich Wilhelm eilt mit neuformierten Truppen den Engländern
und Preußen zu Hilfe. Zwei Tage vor der Schlacht bei Waterloo trifft ihn am 16. Juni 1815 die tödliche Kugel bei "Quatre Bras" in Belgien;
seine Soldaten schlagen sich verlustreich durch und erreichen am 29. Januar 1816 Braunschweig.
75 Jahre nach dem Tod “seines” Schwarzen Herzogs errichtet ihm Braunschweig im fernen Belgien bei
Quatre Bras ein Denkmal. Der entzündete patriotische Zeitgeist lässt die Braunschweiger Bürger Erinnerungsstücke an "ihren" Nationalhelden zusammentragen - Grundstock für das 1891 eröffnete
"Vaterländische Museum", aus dem das Braunschweigische Landesmuseum hervorgegangen ist.
Theophano, byzantinische Prinzessin, die in einer Dynastie-Ehe 972 mit Otto II. vermählt wurde
(Heiratsurkunde im Staatsarchiv Wolfenbüttel). Nach dessen Tode führte die weltoffene Frau die Politik des sächsischen Kaiserhauses erfolgreicher fort, als dies je von einer Frau erwartet wurde. Theophano
residierte um die Osterzeit zusammen mit ihrem Hofstaat zumeist in Quedlinburg
Tilly , Johann Tserclaes, Graf von (1559-1632), bedeutender Feldherr im 30jährigen Krieg. Oberkommandierender der
katholischen Liga. Erobert 1631 Magdeburg. Wird von Gustav II. Adolf besiegt.
Victoria Luise Victoria Luise Adelheid Mathilde Charlotte,
Prinzessin von Preußen, Markgräfin zu Brandenburg, Burggräfin zu Nürnberg, Gräfin zu Hohenzollern, Herzogin von Schlesien wie auch der Grafschaft Glatz, Herzogin von Niederrhein und Posen, Herzogin zu
Sachsen, Westfalen und Engern, zu Pommern, Lüneburg, Holstein und Schleswig, zu Magdeburg, Bremen, Geldern, Cleve, Jülich und Berg, sowie auch der Wenden und Cassuben, zu Crossen, Lauenburg, Mecklenburg,
Landgräfin zu Hessen und Thüringen, Markgräfin der Ober- und Nieder-Lausitz, Prinzessin von Oranien, Fürstin zu Rügen, zu Ostfriesland, zu Paderborn und Pyrmont, zu Halberstadt, Münster,
Minden, Osnabrück, Hildesheim, zu Verden, Cammin, Fulda, Nassau und Mors, gefürstete Gräfin zu Henneberg, Gräfin der Mark, zu Ravensberg, zu Hohenstein, Tecklenburgund Lingen, zu Mansfeld, Sigmaringen und
Veringen, Herrin zu Frankfurt, spätere Herzogin von Braunschweig-Lüneburg, wurde als siebtes Kind und einzige Tochter Kaiserin Auguste Victorias und Kaiser Wilhelms II. am 13.
September 1892 geboren. Der Name “Luise” gehtr auf Knigin Luise von Preußen zurück. Ihre Heirat 1913 mit Ernst August III, dem jüngsten Sohn des Kronprinzen von Hannover und Herzogs von Cumberland, bedeutete das
Ende des seit 1866 bestehenden Konflikts zwischen hannoverschen Welfen und Hohenzollern. Dadurch fiel der Braunschweiger Herzogthron wieder an die Welfen. Die Hochzeit war eines der letzten Großereignisse im
gesellschaftlichen Leben des europäischen Hochadels vor dem 1. Weltkrieg, und der Einzug des Paars in Braunschweig 1913
wurde kräftig bejubelt. Die Regentschaft war jedoch kurz und endete mit der Abdankung des Ehemanns am 8. November 1918.
Damit endete auch die Monarchie im Herzogtum Braunschweig. Die bedeutenden nächsten Stationen während des ersten
Weltkrieges waren die Flucht aus Braunschweig, das Exil in Gmunden (Oberösterreich), die Rückkehr nach Blankenburg (Harz) und schließlich die Flucht auf Schloss Marienburg bei Hannover.
Nach dem Tod des Ehemanns 1954 kam es zum Konflikt mit ihrem Sohn, Ernst August IV. Sie verließ Schloss
Marienburg und siedelte sich, unterstützt vom "Braunschweiger Freundeskreis", im Ortsteil Riddagshausen an. Mit Rückhalt
dieses Kreises war Victoria Luise bis ins hohe Alter in zahlreichen Initiativen zur heimatlichen Traditionspflege tätig. 1965-1974
gelangte sie mit sieben (heute wegen ihrer subjektiven Auslegung umstrittenen) Büchern über ihr Leben letztmalig ins
Rampenlicht der Öffentlichkeit. Nach ihrem Tod am 11. Dezember 1980 wurde sie in Hannover-Herrenhausen beigesetzt.
Familie / Kinder mit Ernst-August
Christian Oskar Ernst August Wilhelm Victor Georg (* 1. September 1919 - † 10. Dezember 1981)
Welf Heinrich Ernst August Georg Christian Berthold Friedrich Wilhelm Louis Ferdinand (* 11. März 1923 - † 12. Juli 1998)
Zu Victoria Luises Enkeln zählen Sophia, spätere Königin von Spanien, König Konstantin II. von Griechenland und der als "Prügelprinz" bekannt gewordene Ernst August (V.)
Prinz von Hannover.
Wilhelm, Herzog von Braunschweig (reg. 1831- 1884), Sohn Friedrich-Wilhelms und jüngerer Bruder Carls II. übernimmt nach
dessen unrühmlichen Abgang die Regierungsgeschäfte.
Wilhelm hatte von seiner englischen Großmutter, Herzogin Augusta, Schloss Richmond geerbt und das Gelände durch Villa und Kavaliersbau erweitert. Besonders
wichtig war ihm der Kennel, der durch eine Fähre mit dem Park verbunden war. Die Bezeichnung "Kennel"geht auf das lateinische Wort canis (Hund) zurück und steht
in der englischen Sprache auch für "Hundezwinger". Somit dürfte die Benennung des Kennel auf Herzogin Augusta zurückgehen die einen solchen Kennel innerhalb
der Parkanlagen von Richmond in England her kannte. Später fand man diese Bezeichnung für die gesamte Anlage westlich von Schloss Richmond, also für
Ländereien, Teichanlagen, Stall- und Wirtschaftsgebäude und ein Wohnhaus für den Aufseher. Das Gelände diente der herzoglichen Hofverwaltung als Meierei zur
Versorgung mit landwirtschaftliehen Produkten. Im eigentlichen Kennel befand sieh zu dieser Zeit das Geflügel und eine Fasanerie. In den Anfangsjahren seiner
Regierung hielt sich Herzog Wilhelm gerne dort auf, ehe er das Schloss Oelts bei Breslau bevorzugte. Im Winter, wenn die Oker zugefroren war, soll man Herzog
Wilhelm regelmäßig beim Schlittschuhlaufen angetroffen haben. Die neue Bähntrasse Richtung Helmstedt und Magdeburg durchschnitt allerdings den Kennel, so
dass sein Interesse von Herzog Wilhelm schließlich nachließ.Nach seinem Tod 1884 wurde der Kennel nicht mehr als Meierei gebraucht - das Areal und die Gebäude
verfielen mehr und mehr, und die landwirtschaftliche Nutzung musste schließlich aufgegeben werden.
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